Mittwoch, 6. Juli 2016

Musik in Videospielen

Sascha bzw. Basco hat vor einigen Wochen einen sehr großartigen Mix auf Soundcloud veröffentlicht, der die zahlreichen Facetten von Ambientvideospielmusik aufzeigt und einen ganz hervorragend durch den Tag begleitet. Dieser geht derzeit zurecht durch die Decke, daher möchte ich ihn euch nicht vorenthalten und schicke das Teil an dieser Stelle mit einer dicke Empfehlung direkt in die Richtung eurer Hörgänge.





Bei der Tracklist fällt deutlich auf, wie mittlerweile in der Ambienteszene hochangesehene Künstler immer enger mit der Indipendentspieleszene anbandeln und dort ganz hervorragende Beiträge leisten. Eigentlich liegt es auch auf der Hand, sind doch Interpreten wie Helios, Julien Neto, Chris Remo und noch viele viele mehr bekannt für ihre sehr imaginative, introspektive und kopfkinolastige Musik. So waren diese und andere Künstler/-innen mit Sicherheit auch die ein oder andere Inspirationsquelle für Videospiele ( Osmos scheint mir ein sehr konkretes Beispiel zu sein), gleichzeitig lässt sich die Brücke auch anders herum schlagen. Dabei werden Videospiele immer mehr zu einem Vehikel für fantastische Scores, was sich letztendlich sogar in hochwertigen Produktionen wie The Last of Us (Gustavo Santaolalla) , Infamous ( Amon Tobin ) oder Devil May Cry (Combichrist/Noisia) niederschlägt. Mit eigens komponierten Tracks werden immer aufwendiger produzierte Soundtracks erstellt, die den großen Filmproduktionen in nichts nachstehen und das Portfolio angenehm erweitern.

Gleichzeitig sind auch unzählige 8-Bit Bands entstanden, die inspiriert von alten Konsolen wie dem Nintendo, dem Gameboy usw. ihren eigenen Stil gefunden haben. Anamanaguchi etwa, die dann auch das tolle Videospiel zu Scott Pilgrim musikalisch begleitet haben. Auch ein Chris Hülsbeck, der schon seit 30 Jahren Videospielmusik komponiert hat, konnte sich hier einen eigenen Namen machen und hat wohl so einige Ohrwürmer in die Ohren unzähliger Gamer und Gamerinnen gepflanzt.
Daneben gab es unzählige Videospielsamples in Raptracks von Künstlern wie Catpain Murphy, MF Doom, Madvillain, Kitty Pryde usw.

Für diejenigen, die jetzt Lust auf mehr bekommen haben, habe ich mal einige Beispiele zusammengestellt, bei Bedarf kann man zudem einmal durch die Top100 Videospielsoundtracks des Factmagazines klicken, die sich die Mühe gemacht haben, ein paar gute Beispiele herauszusuchen, auch wenn sich seit dem schon wieder unfassbar viel getan hat.

http://www.factmag.com/2015/04/28/the-100-greatest-video-game-soundtracks-best-ost/
























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Dienstag, 19. Januar 2016

Über Optimismus

Man schlägt die Zeitung auf und es trifft einen wie ein Schlag ins Gesicht: Sexuelle Belästigung, Übergriffe auf Flüchtlingsheime, Umweltkatastrophen, Kinderarmut, fliehende Menschen die Ertrinken, Donald Trump. Ich könnte ewig so weiter machen. Deprimierend, zum Haare raufen. Man will etwas tun aber es erschlägt einen geradezu und man hat das Gefühl, immer handlungsunfähiger zu werden. Ein Gefühl, dass einen erwischt wie der Biss einer Klapperschlange. Man merkt, wie sich das Gift sich im Körper ausbreitet und einen nach und nach übermannt. Das hat sicherlich viele Gründe, z.B. scheinen viele Konflikte in großer Distanz zu einem selbst zu passieren, man hat kaum eine Chance direkt Einfluss nehmen zu können. Und über diese unglaublich große Zahl an alltäglichen kleinen und großen Katastrophen ist der eigene Wissenshorizont viel zu beschränkt, um sich mit ihnen so auseinandersetzen zu können, dass sie gerechtfertigte Aktionen legitimieren. Außerdem hat man überschaubare Ressourcen die man verwenden kann und will, sei es Zeit, Geld oder die Möglichkeit für Sachspenden und es benötigt schon eine gesunde geistige Balance, um an all diesen Abgründen die uns umgeben nicht zu zerbrechen.

Was diese Ausgangslage natürlich noch begünstigt ist die schiere Informationsflut der neuen Medien, die uns sehr schnell überfordern können und die mit ihrem unbändigen Drang über einem zusammenbrechen. Wenn man sich wirklich "kümmert" und in die weiten Untiefen des world wide web begibt, findet man keine logische Grenze, keine Reissleine die es ermöglicht, all das Leid und Unrecht einfach aufzufangen. Von der abgründigen Diskussionskultur und den unsäglichen Ausschreitungen statt eines gemeinsamen Miteinander ganz zu schweigen. Und während ich das schreibe, muss ich an mein letztes Kinoerlebnis denken: The Revenant schildert beeindruckend die reale (und fiktiv etwas erweiterte) Geschichte eines Trappers, der in Amerika nach Fellen jagt. Der Film zeigt, wie sich scheinbar die gesamte Natur gegen diesen einen Menschen verschworen hat. Es werden Stürme, Grizzlies, reissende Flüsse und menschliche Abgründe heraufbeschworen und man weidet sich in diesem Moment der Misere und diesem Fünkchen Hoffnung. Solche Robinson Crusoe-esquen Geschichten scheinen derzeit wieder en vouge. Fallout, Die 5. Welle, Lost, The Hunger Games und all die Dystopien die derzeit diesen Erfolg in den Kinos oder im TV feiern kann man getrost dazu zählen. Vielleicht liegt es daran, dass man sich danach sehnt, all diese unkontrollierten, unberechenbaren Variablen auszuschließen und sich lieber mit eisigen Bächen und wilden Tieren oder abgelegenen, autarken Orten auseinanderzusetzen, in denen man sein eigenes Schicksal irgendwie noch in der eigenen Hand zu haben scheint anstatt kollektiv zu verrotten und täglich neue niederschmetternde Nachrichten lesen zu müssen.

Das sind alles Gründe, Szenarien und Haltungen, die gewiss Missmut in uns hervorrufen und unsere beschränkten Optionen vergegenwärtigen. Allerdings würde es sich jeder Mensch zu einfach machen, wenn er oder sie an dieser Stelle aufhört sich mit seiner unmittelbaren und mittelbaren Umwelt auseinanderzusetzen. Denn es lassen sich zu all diesen Herausforderungen auch Strategien und Möglichkeiten finden, um eben doch handeln zu können, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und sich von der nicht nur oberflächlich betrachteten schlechten Situation abschrecken zu lassen. Dazu bedarf es aber eines gewissen Unternehmergeistes. Dem Gefühl, etwas bewirken zu können. Es benötigt kleine gegenseitige Wertschätzungen, gemeinsame Erfolgsmomente, Zusammenhalt und Kreativität. Einen kollektiven Optimismus.

Gefühlt wird dieser immer mal wieder heraufbeschworen, in letzter Zeit sogar wieder häufiger. Sei es im Film (Der Marsianer, Interstellar, A World Beyond - Tomorrowland, Star Wars - The Force Awakens), in der Politik ("Yes we can", "Wir schaffen das") oder bei den kollektiven Erfahrungen der Ehrenamtlichkeit und der Flüchtlingshilfe, die an vielen Orten ein neues Momentum der Gemeinsamkeit offenbart hat. Dennoch gilt man heute schnell als Spinner, Fantast, Naivling oder Idiot wenn man versucht, ein solches Moment ins Rollen zu bringen oder sich den unzähligen kritischen Stimmen zu entreissen und seinen eigenen Fahrplan zu entwickeln. Sicherlich gibt es eine gute Berechtigung, Kritik zu üben oder einer Sache erst einmal skeptisch gegenüberzustehen. Denn Kritik ist ein zentrales Moment der Reflexion. Es hilft, Verschwendung vorzubeugen und vermeidet Phantasmen zu bauen die wirkungslos verpuffen oder hart auf die Nase zu fallen. Und sicherlich birgt jede Handlung auch Schattenseiten, was die Silvesternacht in Köln leider allzu schrecklich verdeutlicht hat. Aber die "Ich habs ja gleich gesagt" Mentalität oder die "Das wird doch eh nichts" Haltung ist a) falsch und b) fatal, wenn sie so zügellos wüten können wie es mittlerweile der Fall ist. Sie erstickt fast jedes konstruktive Weiterentwickeln, sorgt für eine beinahe atomare Spaltung jeglicher Haltung und führt in eine isolierte, verlorene Situation eines Individuums gegen die Welt, aus der man sich nur schwer erheben kann um überhaupt noch handlungsfähig zu sein. Darunter leidet auch das kreative Ausprobieren, sie versagt die Chance, Fehler zu machen, obgleich jeder Fehler immer auch ein konstruktives Potenzial in sich birgt,welches uns überhaupt erst erlaubt zu lernen. Sicher, Einstein hat mal gesagt, dass man lieber aus den Fehlern anderer lernen sollte als aus den eigenen. Aber irgend jemand muss diese Fehler machen und das sind für mich die wahren Pioniere unserer Gesellschaft. Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Frau Merkel mal so viel Anerkennung und Respekt zollen würde, aber in einer Zeit des weitverbreiteten Pessimismus geht sie stur dagegen an (aus welchen Gründen auch immer). Und diese Haltung sollte man tatsächlich wieder  ein wenig kultivieren. Man sollte zu Machenden werden, zu Schaffenden. Zu Menschen, die immerhin versuchen, ihre unmittelbare Umgebung positiv zu beeinflussen. Das geht damit los, dass man andere Leute zu Ideen animiert, sie dabei unterstützt. Oft sind es kleine Gesten, die große Dinge anstoßen. Ein paar Euro die helfen, Leben zu retten oder eine Idee zu verfolgen. Ein paar stützende Gedanken die helfen, sich durchzusetzen. Ein paar Hände, die ganze Welten bauen. Es müssen nicht immer finanzielle Ressourcen sein. Gemeinsam über etwas nachzudenken, sich vernetzen, die Schulter anbieten wenn andere einen Moment der Schwäche erfahren usw. sind Dinge, die uns nichts kosten aber für andere die Welt bedeuten. Wir brauchen mehr Zusammenhalt, ein Verständnis eines Miteinanders statt eines Gegeneinanders, wir müssen der Versuchung des Rückzugs aus allem was wir nicht kontrollieren können widerstehen und uns darauf besinnen, dass unsere Mitmenschen sich ähnlich verloren fühlen. Und das fängt mit jedem Einzelnen von uns an.



Ich halte es übrigens nicht für einen Zufall, dass viele Filme über Optimismus gerade Science Fiction Filme sind. Interstellar, Der Marsianer usw. repräsentieren eine neue Form der Zuversicht in die Wissenschaft und Menschheit. In kaum einem anderen Metier gibt es dabei größeren transnationalen Zusammenhalt als in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Hier arbeiten unterschiedlichste Nationen an den Bemühungen, das Weltall zu erforschen. Es ist ein gemeinsames Ziel, eine riesige Herausforderung, die vereint. Und es ist kein Wunder das Leute, die sich mit dem Weltall auseinandersetzen und das erste Mal die Welt aus dem Orbit heraus betrachten auf einmal ein Gefühl der Gemeinsamkeit entwickeln, weil ihnen bewusst wird, dass sie alle gar nicht so verschieden sind, wie es aus nächster Nähe scheint. Dieser Grad der Perspektivverschiebung auf uns selbst ist eine Herausforderung: ist man zu nah, scheint die Welt ausschließlich aus Unterschieden zu bestehen, zoomt man zu weit heraus, wird alles eins, einheitlich, beinahe unwichtig. Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Kameralinse stellenweise zu nahe an uns klebt, die Folgen sind shit-storms, Wortklauberei und endlose Debatten.


Dienstag, 29. Dezember 2015

most favorite // part I: movies 2015

Was für ein aufregendes Jahr. Das Jahr der Blockbuster und der Geniestreiche. Aber auch eines der Prequels, Sequels, Remakes, Remixes und Comicverfilmungen. Man hat manchmal das Gefühl, dass Hollywood die Ideen ausgehen. Ein ständiges Selbstzitieren, fette Marketingstrategien und übertrieben viel Hype haben dieses Filmjahr geprägt, wodurch viele sehr besondere Schätze meist ganz unentdeckt blieben. Als alter Filmpirat stolpert man dann zum Glück doch über das eine oder andere Goldstück, etwa auf Netflix, der Berlinale oder den Fantasy Film Nights und die möchte ich wie jedes Jahr hier neben den großen Blockbustern mit einflechten und präsentieren. Natürlich sind diese subjektiv geprägt, etwa von liebreizenden Begleitungen, kleinen Abenteuern, tollen Kinosälen und und und. Ich versuche es dennoch. Los gehts:




1. Birdman




Dieser Film ist nur schwer zu würdigen. Denn hier verschränkt sich soviel Talent, wodurch es sehr mühselig und fast unangebracht ist, alles auseinander zu nehmen. Aber es lohnt sich vielleicht doch, denn Michael Keaton spielt neben Edward Norton und Emma Stone einfach unfassbar. In einem gefühlt ewigen Take mit einer (wieder einmal) unglaublichen Kameraarbeit von Lubezki, in der die Bilder ständig wie die wilden Gedanken von Riggan umher schwirren, entfaltet sich das grandiose Schauspiel rund um die existenziellen Verwirrungen, dem Glamour des Filmemachens und dem Vermischen von Realität und Fiktion, von Privatem und Öffentlichen. Für mich definitiv einer der besten Filme die ich je gesehen habe und interessanterweise scheint der Regisseur Alejandro Inarritu mit The Revenant bereits mit dem nächsten Meisterwerk in den Startlöchern zu stehen, für mich ebenfalls Anwärter auf einen Top Platz. Schon mit Babel und 21 Gramm hat er bewiesen, was er alles kann (obwohl mich Biutiful unfassbar kalt gelassen hat), Inarritu mausert sich so langsam zu meinem persönlichen Lieblingsregisseur. Absolute Empfehlung!




2. Diary of a Teenage Girl





Mein absoluter Höhepunkt der diesjährigen Berlinale. Der autobiografische Film handelt von den Irrungen und Wirrungen einer pupertierenden Phoebe Gloeckner, Comicbuchautorin in den 70ern. Dabei spielen (wie in San Francisco üblich) Drogen, Musik und Sex eine wichtige Rolle, herausragend sind dabei die Bilder sowie die visuelle Integration des Comicstils. Der Film ist eine Adaptation des gleichnamigen Comics und hat eine perfekt besetzte Crew! Unbedingt anschauen!




3. Sicario





Denis Villeneuve dürfte den meisten durch den ziemlich packenden Prisoners ein Begriff sein. Er ist ein Meister der Spannung. Gemeinsam mit Johann Johannson, welcher wieder für den Soundtrack verantwortlich ist, strickt er auch hier einen mit Atmosphäre bis unter die Decke gepackten Thriller, der vor allem durch seine enigmatischen Charaktere und dem Szenario der ständigen Angst und Bedrohung besticht. Der Thriller handelt von dem Versuch, den Drogenhandel an der südlichen Grenze Amerikas mittels einer zwillichtigen Spezialeinheit irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Überall könnte Gefahr lauern, nichts ist so wie es scheint und Emilie Blunt wirkt trotz ihrer toughness so fragil und angespannt, dass man sich sehr gut hineinversetzen kann. Mit Abstand der spannendste Film diesen Jahres, den man unbedingt gesehen haben muss! Besonders aufgrund der fantastischen Leistung von Emilie Blunt, Josh Brolin und Benicio Del Toro.




4. Ex Machina





Mit Ex Machina hat Alex Garland einen psychologischen Thriller gestrickt, der aus einem philosophischen Gedankenexperiment entspringt. Wann ist ein Computer menschlich? Was macht Menschsein überhaupt aus? Der Film geht noch viel weiter und spielt in diesem Kammerspiel von vier Personen in einem abgelegenen Bunker mit herausragenden zwischenmenschlichen Dynamiken. Die Darsteller machen ihren Job fantastisch, der Film nimmt sich ausreichend Zeit und bleibt bis zum Ende spannend und einfühlsam. Sehr zu empfehlen für den gemütlichen Winterabend!




5. Alles steht Kopf




Ich mag Animationsfilme. Ob Shrek, Oben, Findet Nemo oder Monster AG, sie alle atmen eine sehr liebenswürdige, fantasievolle Geschichte mit schrulligen Charakteren, die man einfach in sein Herz schließen muss. Die gekonnte Mischung aus Herz und Bauch, aus Gefühl und Humor wird mit frischen Persönlichkeiten und fantastischen visuellen Ideen umgesetzt, die mich immer wieder bewegen. Aber noch kein Film hat mich so glücklich gemacht wie Alles steht Kopf. Dieser Film ist aufgrund des beinahe parallelen Starts von Fack ju Göthe!2 an den deutschen Kassen eher untergegangen, dabei gehört er für mich in die oberste Riege der dieses Jahr gestarteten Filme, ob nun Animationsfilm oder nicht. Denn selten wurde ein so ernstes Thema wie Depression so spielerisch leicht gehändelt wie hier. Mit herzerfrischenden Ideen über die Psyche des Menschen wird hier das Innenleben eines jungen Mädchens auf den Kopf gestellt, als diese ihre Heimat verlassen muss. Mit all dem Gefühlschaos in ihr drin versucht sie, einen Weg zu finden, um mit der neuen Situation klar zu kommen und ich könnte mir keine schönere Visualisierung vorstellen als das, was Pixar hier abgeliefert hat. Der mit Abstand liebenswürdigste Film des Jahres. Freud hätte hier seinen Spaß gehabt.




6. Star Wars: The Force Awakens






Lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Nach der für mich unsäglichen ersten Trilogie ist das für mich der erste richtige Star Wars, den ich im Kino schauen durfte. Denn aus meiner Sicht erfüllt JJ Abrams fast all meine Wünsche. Wir schweben wieder in diesem großartigen und fantasievollen Universum, erleben unglaubliche Abenteuer, lernen das Entstehen einer fantastischen Freundschaft kennen und jubeln dem Millenium Falcon bei seinen waghalsigen Manövern zu. Mein früheres Ich und meine Wenigkeit haben jedenfalls am Abend der Vorpremiere wieder Freundschaft geschlossen und uns gemeinsam an diesem optischen wie charismatischen Film aufs Höchste erfreut. JJ Abrams hat ein Händchen für das Zwischenmenschliche, auch wenn er die alte, einzig wahre Trilogie ein klein wenig zu oft zitiert. Fine for me, solange es nun zum epischen nächsten Teil geht, der von Rian Johnson inszeniert wird und ich wahrscheinlich noch gespannter warte als auf The Force Awakens.




7. Frank





Michael Fassbender du alte Socke. Hast es gleich drei Mal in meine Top Liste für 2015 geschafft. Neben MacBeth und Slow West besticht er auch hier in der Hauptrolle und zeigt einen ergreifenden wie wunderschönen Film über eine Indieband, die sich zwischen Berühmtheit und Indietum zerreisst. Die Musik trifft genau meinen Geschmack, die verschrobenen Bandmitglieder spielen sich unmittelbar in mein Herz und die Bilder des Films tun den Rest. Ein ganz großartiger Film von Lenny Abrahamson, der übrigens dieses Jahr noch einen weiteren, potentiellen Oscarkandidaten mit Raum im Ofen hat.



8. Mad Max: Fury Road




Wo wir schon bei der Bildgewalt sind: es gibt einen neuen Maßstab: Mad Max Fury Road setzt zweifelsohne die Messlatte für handgemachte Action und beeinduckenden Bildern unglaublich hoch. Schaut man unter Imposanz im Duden nach, würde man, gäbe es das Wort, einen Artikel zu diesem Film geben. Neben dem optischen (und musikalischen) Hochgenuss rund um die karge Welt steht aber vor allem auch die Charakterzeichnung im Mittelpunkt. Obwohl die Handlung im Grunde in wenigen Worten erzählt ist, schafft es Miller, mit wenigen Strichen eine perfekte Skizze der Personen zu zeichnen, die Lust auf mehr macht aber völlig ausreichend ist, um einen spannenden Film zu erzählen. Im Gepäck ist dabei wohl die tougheste Heronin seit Ripley aus Alien und Sarah Connor aus Terminator. Was Charlize Theron als Furiosa hier abfackelt macht einfach unglaublich viel Spaß. Wer Bock auf Ödland hat, sollte hier unbedingt mal reinschauen. Am Besten auf der großen Leinwand mit möglichst gutem Ton, denn das Sounddesign sucht seines Gleichen!




9. The Martian





Matt Damon als gestrandeter Weltraumpilot, der ums Überleben kämpft. In Intersteähh ich meine Der Marsianer, inszeniert von Ridley Scott und adaptiert von Drew Goddard (nach dem Buch von Andy Weir) kämpft sich Mark Watney durch die harschen Lebensbedingungen des Mars mit Hilfe von Wissenschaft. Und das erstaunlich überzeugend und vor allem unfassbar optimistisch. Mit erhobenen Hauptes und einer Leichtigkeit kämpft sich Damon durch denkbar schlechteste Bedingungen durch. Gleichzeitig sucht die NASA auf der Erde verzweifelt nach einer Lösung. Eine Hommage an Teamwork, an Zuversicht und vor allem in die Wissenschaft. Schon wieder ein Film, der weniger Fiction als Science ist, aber unglaublich Lust darauf macht, sich mit Weltraum-Physik auseinanderzusetzen. Optisch imposant, extrem humorvoll und bis zum Ende hyperspannend. Positiv ist außerdem anzumerken, dass es nicht einen Antagonisten im ganzen Film gibt. Das hat man auch schon lange nicht mehr gesehen!




10. Virgin Mountain




Eines meiner Highlights aus der Berlinale 2015. Dagur Kari schafft es immer wieder, kleine Filme mit großer Wirkung zu drehen. Er hat ein Händchen für Außenseiter, für die ruhigen zwischenmenschlichen Momente, in denen die Worte fehlen aber so viel Spannung in der Luft liegt, nur um dann ganz unkonventionell darauf zu antworten. Fusi gehört zu den liebenswürdigsten Charakteren, die das Kino je hervorgebracht hat. In Virgin Mountain begleitet man ihn durch sein einsames Leben, seinem guten wie naiven Herzen und erlebt allerhand skurrile wie intime und vor allem schöne Momente. Ein Film fürs Herz, perfekt für die winterliche Jahreszeit. Jetzt im Kino!!




11. You're ugly too / Familienbande / So wie ich bin





Ein weiteres kleines Berlinale-Fundstück. Die pfiffige Irin Stacey (grandios: Lauren Kinsella) verliert unerwartet ihre Mutter (zentrales Thema der Berlinale!) und muss bei ihrem vorbestraften Onkel gespielt von Aidan Gillen unterkommen. Eine tolle Eigendynamik entwickelt sich, die ein bisschen an The Last of Us erinnert. Charmant, leichtfüßig, witzig und emotional wird hier eine tolle Geschichte erzählt. Großartig für den gemütlichen Abend zu zweit.




12. Short Skin





Wunderschöne Mädchen schlawinern um Eduardo, dem schüchternen Italiener, der sonst mit seinem Freund am Strand rumhängt und das Leben genießt. Aufgrund einer Vorhautverengung ist die Vorstellung an Sex eher schmerzhaft, sein Selbstbewusstsein im Keller und seine Hemmnisse groß. Der Film ist unglaublich leichtfüßig, unglaublich witzig und von vor allem schönen Darstellerinnen getragen. Die Dialoge sind verschmitzt, wie es eben bei Coming of Age Filmen so ist, und da spielt Short Skin ganz oben mit. Der Soundtrack kommt dabei von Woodpigeon, einem tollen Singer-Songwriter. Absolut großartige wie herzliche Komödie!




13. Men and Chicken





Endlich wieder ein Film von Anders Thomas Jensen. Und ein "Anders" ist er wahrlich! Wie schon in Adams Äpfeln und Dänische Delikatessen geht es hier sehr schräg zu, mit jeder Menge pechschwarzem Humor und doch herzlichen Charakteren, die man einfach lieb haben muss. Trotz all ihrer Schrulligkeit berühren sie einen mit ihrem verqueren Humor, steht doch immer die Mitmenschlichkeit im Mittelpunkt. So auch in Men and Chicken! Zwei Brüder sind auf der Suche nach ihren Wurzeln und kommen in ein schrulliges altes Dorf, in dem sie ihre Brüder kennenlernen, die alle eigenartige Eigenheiten aufweisen. Mit viel Gekloppe kommen sie sich nach und nach näher, bis sie das Familiengeheimnis lüften... Zum Schreien komisch und herzlich schön.




14. Whiplash





Ein Film über den menschlichen Willen und den Ambitionen eines Trainers/Mentors/Lehrers. Diese Beschreibung passt wahrscheinlich auf unzählige Verfilmungen, doch kaum eine ist so herausragend wie diese. Dabei spielt nicht nur JK Simmons einen unsympathischen Lehrer, auch Miles Teller als ambitionierter Egomane weiß zu missfallen. Und das tut dem Film auch richtig gut. Man fiebert schon mit den harten Maßnahmen, dem Beissreflex und der emotionalen Achterbahn mit und fragt sich, wozu man den ganzen Mist macht. Hier finden sich viele Parallelen zu typischen Coach-Rookie Verhältnissen, mit denen man sich einfach identifizieren kann und Simmons vermittelt sehr gut, warum es manchmal wichtig ist, sich so durchzubeissen. Der Film schafft es jedenfalls sehr gut, diese Dynamik nahe zu bringen und macht enorm viel Spaß und Lust auf Musik!




15. Nasty Baby





Ein weiteres Berlinale-Highlight ist Nasty Baby. Der Film gibt Einblick in eine harmonische Beziehung eines homosexuellen Pärchens in New York, welches versucht, mit der Leihmutter ein Kind zu zeugen. Was unglaublich charismatisch beginnt, endet in einem Alptraum. Absolut fantastisches wie spannendes Thriller-Drama!




16. Beasts of no Nation





Leider findet sich kein richtiger Trailer, aber der Clip lässt erahnen, worum es geht. Kindersoldaten in Afrika, die von Milizen weggefangen werden und zu Söldnern erzogen werden, um im Bürgerkrieg zu kämpfen. Cary Fukunaga, Regisseur von der grandiosen ersten Staffel von True Detective, erzählt hier in der Buch-Adaptation von Uzodinma Iweala eine unglaubliche wie bedrückende Geschichte von Agu, der seine Familie verliert und ums überleben kämpft. Dabei trifft er auf den "Commandand" gespielt von Idris Elba, der mit Härte und Grausamkeit die Jugend aus Agu herausprügelt, um ihn zum Freiheitskämpfer zu machen. Sehr bedrückend, sehr eindrücklich, aber auch unglaublich gut. Allerdings sollte man den Film nur in einer guten Verfassung schauen, denn das Ganze ist schwer verdaulich.




17. Avengers 2: Age of Ultron





Die Avengers sind zurück. Joss Whedon ist zurück. Damit müsste eigentlich alles gut sein. Irgendwie wollte der Film aber nur teilweise zünden. Gerne hätte ich ihn mir im IMAX angeschaut, damit man ein bisschen mehr von der durchaus vielschichtigen Action mitbekommt, aber nichts desto trotz war diese imposant. Aber man hat schon gemerkt, dass Whedon nicht so viel freie Hand bekommen hat, um seine gewitzte Charaktere entfalten zu können. Viel Streiterei mit den Studios von Disney und Marvel haben wohl dazu geführt, dass er seine eigentliche Vision mehr als verbiegen musste. Man erahnt an vielen Stellen die großartigen Dialoge, die wie Whedons Seele durchscheinen, aber insgesamt bleibt der Film ein bisschen hinter dem ersten Teil zurück. Dennoch ist der Film für Marvel-Comic-Fans nach wie vor eine Offenbarung, auch wenn ihm Guardians of the Galaxy letztes Jahr wohl ein bisschen die Show gestohlen hat.




18. Ewige Jugend





Ewige Jugend erzählt von den Irrwegen der Familie, Bedauern, dem Älter werden und der Freundschaft. Michael Cane spielt hier wieder einmal famos auf und bringt seinen Charakter tief in die Herzen der Zuschauer, getragen von perfekter Musik wie es Regisseur Paolo Sorrentino schon in Cheyenne inszeniert hat. Wirklich großartig ist auch Harvey Keitel als langjähriger Freund von Cane. Mit besinnlichen wie sinnlichen Bildern, kleinen Liebeleien und viel Gemütlichkeit umkreist Sorrentino hier dieses Ressort mit all den schrulligen Charakteren.




19. Victoria





Victoria ist DER deutsche Überraschungshit schlechthin. In der Regel kann ich mit deutschen Filmen nicht viel anfangen, häufig sind die Schauspieler/-innen überfordert, spielen nicht überzeugend, die Beleuchtung ist schlecht oder es stinkt alles so sehr nach Inszenierung, dass ich mich darauf nur schwer einlassen kann. Anders so bei Victoria. Allein schon der technische Aspekt ist beachtlich. Ähnlich dem Film Birdman kommt dieser Film in EINEM Take aus, kein Schnitt, fast zwei Stunden lang intensive Intimität, Improvisation, Geschehen. Das Schöne ist, dass sich der Film nicht darauf ausruht. Der Film wird eher getragen von der charismatischen wie schönen Victoria und Sonne, dem Straßenslacker aus Berlin sowie dem zwischenmenschlichen Knistern der Beiden. Ganz zu schweigen von dem sehr überragenden Soundtrack von Nils Frahm, der hier durchaus seine Momente hat bzw. die des Filmes einzigartig unterstreicht. Der Film entwickelt sich zudem zu einem spannenden Krimi, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Schaut euch diese kleine Reise durch Berlins Nachtleben an und staunt!




20. I am Michael





Wieder eine Entdeckung auf der Berlinale und leider ohne Trailer, dafür einem kurzen Einblick. Der Film ist eine Biografie über Michael, einem homosexuellen Blogautoren und Leitfigur der homosexuellen Emanzipation. Gespielt von James Franco erleidet Michael eine Panikattacke, die all seine bisherigen Werte auf den Kopf stellt und seine Homosexualität in Frage stellt. Er wendet sich dem Glauben zu und negiert seine alte Beziehung (gespielt von Zacharie Quinto), was natürlich in unzähligen Konflikten resultiert. Ein sehr emotionaler und psychologischer Film, der mich noch lange danach beschäftigt hat, denn er portraitiert einen unglaublichen Wandel sowie die menschlichen Abgründe, die durch Religion geschürt werden. Das alles bewegt sich sehr Nahe an dem eigentlichen Schicksal von Michael Glatze.




21. Spring



Ein Gruselfilm nach meinem Geschmack. Ein Backpacker aus den Staaten beschließt, durch Europa zu reisen und endet in einem kleinen italienischen Dorf. Hier lernt er eine bezaubernde Frau kennen, die ihm den Kopf verdreht. Nach und nach stellt sich raus, dass sie mit der Stadt in einer seltsamen Art und Weise verbandelt ist. Der Film ist fantastisch fotografiert und lebt von den charismatischen Darstellern. Diese deutsch-italienische Produktion ist für Fans des leichten Grusels sehr empfehlenswert, besonders aufgrund seines erfrischenden Zugangs zu einem altbackenen Thema.




22. A girl walks home alone at night





Eine skateboard-fahrende Vampirin im Iran, die Männer verführt und Joy Division liebt. Eigentlich muss man nicht mehr erzählen. Oh, der Film ist in Schwarz-Weiß, musste außerhalb Irans gedreht werden (alle Darsteller sind Iraner/-innen), die Musik ist fantastisch und der Film sehr unaufgeregt und besinnlich sowie durchdrungen von Melancholie. Schön!




23. Tusk






Kevin Smith hat es endlich mal wieder geschafft. Skurrile Dialoge, noch skurriler die Handlung und vor allem dichte Atmosphäre. Tusk ist def. schwer zu verdauen, bietet es doch wirklich eklige Szenen und Vorstellungen, dennoch würde ich ihn nicht als Horrorfilm abstempeln, sondern irgendetwas zwischen Komödie und atmosphärischem Gruselfilm, der irgendwann eine harte Abzweigung nimmt. Aus einer dahergesagten Podcastidee heraus entsprungen wird dieser Film zu einem fantastischen Genrefest mit den vertrauten Dialogen eines Smiths, die hier endlich wieder glänzen. Für Fans des Genrefilms sehr zu empfehlen!




24. MacBeth





Michael Fassbender spielt mit einer brillianten Marion Cottillard MacBeth und seine Frau in dieser unfassbar gut fotografierten Adaption von Shakespeare. Der Film jagt den Zuschauer mit einer Unruhe wie das Gewissen die Lady MacBeth und wir schauen dem moralischen Verfall zu, wie er unaufhaltsam seinen Lauf nimmt. Der Film scheint insgesamt aber etwas kurz ausgefallen, denn die Motivation kommt ohne Vorkenntnisse des ursprünglichen Materials nur bedingt zum Tragen. Dennoch, man wird leicht gepackt von der reissenden Strömung dieser furiosen Inszenierung.




25. The Guest





The Guest durfte ich auf den Fantasy Film Nights sehen und hat mich aufgrund seiner Bildgewaltheit und dem fantastischen Soundtrack ganz schön mitgerissen. Genauer betrachtet ist es einfach nur ein gut fotografierter kleiner Action-Thriller a la Drive und Rambo, der mit wenigen, dafür mächtigen Actionszenen auftrumpft, die richtig viel Bums haben. Zudem spielt eine mehr als attraktive wie auch talentierte Maika Monroe mit, die spätestens mit dem Horrorschwergewicht It Follows ihren Durchbruch geschafft haben dürfte. Schöner Actionnobrainer für einen Filmabend mit Freunden oder allein!



26. Mr. Holmes





Ich hatte auf der Berlinale die Chance, Ian McKellens Interpretation von Sherlock Holmes zu sehen. Ein absoluter Glücksgriff, denn diese kleine Ode an den großen Kriminologen ist eine sensible, feinfühlige Geschichte mit einigen spannenden Ideen. Insgesamt bleibt der Film sehr ruhig und besinnlich, man möchte sagen unaufgeregt. Eine große Chance für McKellen, seiner Schauspielkunst freien Lauf zu lassen. Sehenswert, wenn man Sherlock Holmes mag oder sich über einfühlsame Studien des Menschen interessiert!




27. Mission Impossible 5: Rouge Nation





Tom Cruise's hauseigene James Bond Version hat nach wie vor drive. Seitdem JJ Abrams das Ruder (zuerst als Regisseur, mittlerweile als Produzent, nachdem Cruise von seiner Serie Alias komplett überzeugt war) übernommen hat, ist die Action rund um Ethan Hunt und seinem Team wesentlich persönlicher, geerdeter und durchaus mitreissender. An Einfallsreichtum mangelt es jedenfalls kaum, denn auch hier sind wieder haarstreubende Actionszenen mit großartigem Humor gewürzt, die man so wahrscheinlich noch nicht erleben durfte. Allerdings benötigt die Reihe schon so langsam ein bisschen Abwechslung vom typischen Agentenallerlei. Als rasanter Actionkracher mit einem Top-Ensemble jedenfalls sehenswert, wenn man was für Agententhriller über hat! Zumal er besser zu sein scheint als der neue Bond, den ich nicht gesehen habe.

28. Marshland 





Ein weiteres Fantasy Film Nights Highlight: Marshlands. Wäre True Detective in Spanien gedreht worden, würde es genau SO aussehen. Ein sehr spannender, besinnlicher, wunderbar fotografierter Krimi aus den Marschlanden Spaniens. Sehr sehenswert, man braucht aber ein bisschen Sitzfleisch.




29. Angelica



Leider finde ich hierzu keinen Trailer. Ich möchte den Film dennoch erwähnen, denn er zeichnet ein recht spannendes Psychogramm über eine sensible Mutter im viktorianischen Setting, die nach einer anstrengenden Geburt immer näher an den Rand des Wahnsinns rutscht. Ihr Mann versucht sie zu retten doch statt dessen treibt er sie immer weiter in ihren Wahn. Der Film dürfte kaum bekannt sein (Ein Kleinod auf der Berlinale) und richtet sich eher an Interessierte von historischen Filmen, Kostümfilmen oder psychologischen Studien. 




30. Slow West







Ein wunderschön fotografierter Western mit sehr ungewöhnlichen Ereignissen und Wendungen. Toller Film mit einem seltsam unkonventionellen Touch, sei es vom Tempo, der Inszenierung und auch der Handlung. Wurde übrigens unter anderem in Neuseeland fotografiert!



Das war es. Hab ich was vergessen? Was sind eure Favoriten? Womit seid ihr nicht einverstanden? Ich bin gespannt. 


Für 2016 erwarte ich übrigens wieder einmal großes!

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Raum



The Revenant




Star Wars: Rogue One




Joy




Deadpool



Hail Cesar



Zoolander 2



The VVitch



The Nice Guys




Montag, 19. Oktober 2015

Star Wars: The Force Awakens

Ok ok, ich bin gehyped. Eigentlich mache ich einen weiten Bogen um große Marketingevents, sofern das denn möglich ist. In der Regel hat man häufig einen faden Beigeschmack an Zielgruppenerweiterung, Fanservice und dem Ausbeuten eines Franchises. Im Grunde ist Star Wars genau das in Reinkultur, wahrscheinlich hat kein anderer Name, kein anderes Produkt so viel Geld generiert, so viel absolut schwachmatischen Content entstehen lassen wie dieses Universum. Jeder Cent wurde aus diesem Namen herausgequetscht, die Marke gemolken und wahrscheinlich wird das nie aufhören. Vom beinahe religiösen Status von Star Wars ganz zu schweigen.

Und dennoch bringt der neue Trailer das Kind in mir hervor. Wie wohl auch das von JJ Abrams. Dieser scheint seinen Delorean angeworfen zu haben um sein eigenes früheres Kind zu befragen, was das Star Wars Universum eigentlich ausgemacht hat. Also vor Episode 1-3. Ein feiner junger Kerl, denn er hat einfach alles richtig gemacht. Gut aussehen muss es, großartige Kampfszenen soll es bieten, mystische Bilder heraufbeschwören und tolle Charaktere zum Mitfiebern präsentieren. Die Musik darf man natürlich nicht vergessen! Und hell yeah, der Trailer verspricht genau das (und lens flare!). Diese nicht mal drei Minuten hat mehr Mark als alle drei neuen Episoden zusammen. Es fühlt und lebt Star Wars wie man es in den 80ern kennen und lieben gelernt hat. 

Wahrscheinlich erinnert sich jeder Fan sehr genau, wie er zum ersten Mal mit dieser anderen Welt in Berührung gekommen ist, die vor Abenteuer und Weltraumaction nur so sprüht und die kindliche Fantasie ins Unendliche beflügelt hat. Ich z.B. saß mit sechs Jahren bei meinem besten Freund zu Hause, durfte das erste Mal "Westfernsehen" schauen und woanders Abendbrot essen, als auf einmal im TV Darth Vader über den Todesstern flitzt um eine Prinzessin zu verhören. DAMN, was geht da vor? Warum trägt er so einen Umhang und so eine krasse Maske? Was macht er mit der armen Frau und was sind das für krasse Viecher, die da überall rumwuseln. Von da an war auch klar, das ich Weltraumpilot sein will, Asteroiden ausweichen möchte und mit Laserpistolen Schurken zur Strecke bringen werde. Und wer wollte nicht alles ein Laserschwert haben? Unzählige Bastelstunden mit Lego, irgendwelchen Papp- und Actionfiguren gingen ins Land, Sci-Fi-Kloppereien mit Freunden wurden ausgetragen, Videospiele wurden gezockt, Universen gerettet usw., bis irgendwann Episode Eins kam und mit schon blutiger Faust immer und immer wieder auf das Kind in mir eingeschlagen wurde um es zum Schweigen zu bringen. Dort lag es dann über mehr als 10 Jahre bewusstlos in der Ecke, beinahe ausgeblutet. Doch wie Oldboy scheint es sich langsam erholt zu haben. Die ersten Lebenszeichen zuckten mit dem Erscheinen des ersten Teasers, der auf einmal mehr Atmosphäre atmete als alle drei "neuen" Episoden zusammen. Mit dem ersten Trailer war den Ärzten klar, dass es in diesem Jungen noch Hoffnung gibt und spätestens mit dem letzten Ankündungsfilmchen ertönt nun die Rockymusik und der Kleine fängt an, die Treppen zu laufen und sich in Form zu bringen. Hell yeah, das alte Gefühl ist zurück. Ich will auch in alten Sternenzerstörern herumkrackseln, Raumschiffe aus der Ferne beobachten, mit Han Solo im Millenium Falcon umherdüsen und verdammt nochmal epische Fights austragen. COME ON, JJ Abrams, BRING IT ON! Die nächsten zwei Monate werden wohl sehr lang werden, aber das Gezeigte verspricht ein weiteres Kinohighlight der Sonderklasse abzufackeln, das mich wahrscheinlich mehr berühren wird als irgend ein Film das sonst könnte. Denn das hier kommuniziert mit meiner Kindheit, dem sechsjährigen Jungen in mir, der nie erwachsen werden wollte und den ich immer und irgendwo in meinem Inneren auf diesen Moment gewartet hat. Ich pack schonmal die Lego-Kiste aus...


Donnerstag, 10. September 2015

two trips one heart

Sternenregen, Sonnenuntergänge, Bergseen im Wald und verschmuste Hagelgewitter. Klingt kitschig? Ist es vielleicht auch, aber es erfüllt mich durch und durch. Und so in etwa lassen sich die  zwei Wochen Urlaub ziemlich gut zusammenfassen. Ich bin unfassbar glücklich das ich in nur wenigen Tagen soviel Euphorie erfahren durfte, so viele magische Momente, die für immer in meinem Herzen verwurzelt bleiben werden und mich durch den tristen Alltag begleiten. Manches davon ist kaum in Worte zu fassen oder in Bildern festzuhalten, aber es weckt eine vage Erinnerung an das Gefühl und an die lieben Menschen mit denen ich diesen Sommer verbringen durfte.



















Samstag, 29. August 2015

Life is Strange




Ihr kennt das... Da kommt man in ein bezauberndes Küstendorf um auf eine High School mit dem Schwerpunkt für Fotografie bzw. Kunst zu gehen und alles läuft irgendwie schief. Bullies, Intrigen, Zeitreisen, der übliche Teenage-Krempel eben. Was macht man also? Genau! Man macht einen auf Gerechtigkeit und sorgt für ne Menge Ärger. Und so geht es auch Max Caulfield. Sie kommt mach 5 Jahren Seattle zurück in ihren Heimatort, um unter anderem bei einem berühmten Lehrer für Fotografie zu studieren. Dieser nimmt Max freudig auf, doch einigen anderen Schülerinnen und Schülern scheint das nicht so ganz zu passen. Zumal sie auch noch ein Faible für analoge Fotografie besitzt und sich ausgerechnet auf Selfies spezialisiert hat, obwohl sie doch eher ein introvertiertes Nerdmädchen ist, welches ihre Pflanze entweder ertränkt oder vertrocknen lässt. Sehr sympathisch eigentlich, doch an einer Schule für reiche und extrovertierte Kids wahrscheinlich nicht gerade ein Heilsbringer. In diesem Kontext muss sich Max wohl die nächsten paar Jahre durchkämpfen, um ihren Abschluss zu machen, oder?





Doch das Spiel, Life is Strange heißt es, schert sich weniger um die High School-Leistungen, sondern geht gleich von Beginn an in die Vollen und startet mit einer heftigen, markerschütternden Vision. Ein riesiger Tornado rast auf das Örtchen Arcadia Bay zu, ein Unheilsbringer, der wie eine Urgewalt wütet und all dem Treiben an der Schule und dem Dorf ein Ende zu bereiten scheint. Max quält sich zu dem Leuchtturm, der auf einem Felsen thront und das Vorgehen unbeteiligt beobachtet, dort wird ihr das Ausmaß schlagartig bewusst und... wacht schweißgebadet im Unterricht auf. Wow, was für ein pompöser Start! Aber es wird noch besser. Als sie ins Bad huscht, um sich frisch zu machen, wird sie in den Bann eines wunderschönen blauen Schmetterlings gezogen. Der Moment dehnt sich zu einer kleinen Unendlichkeit aus, als sich die Badtür öffnet und sich ein Streit zwischen zwei Jugendlichen entfaltet, welcher tödlich endet. Schockiert von der Situation passiert etwas, das man sonst nicht alle Tage erlebt: sie beginnt, die Zeit zurückzuspulen, um in den Konflikt einzugreifen. Mit aller Kraft dreht sie den Zeiger soweit zurück, dass sie es schafft, den tödlichen Schuss der Waffe, welche einer der Studenten mitgebracht hat, zu verhindern.

Von diesem Moment an entfaltet sich episodenhaft eine grandios erzählte Geschichte um Freundschaft, Zukunft und Vergangenheit und der Frage nach dem "Was wäre wenn...". Dabei werden schwerwiegende Themen wie Mobbing, psychische Krankheiten, Selbstmord, sexuelle Gewalt und Drogen, Umweltschutz und Kapitalismus diskutiert, aber auch die amerikanische Schulkultur und Vorurteile messerscharf unter der Lupe seziert. Dontnod schaffen es dabei, eine kitschfreie wie sensible Story zu entfalten, die weder moralinverseucht noch prätentiös daher kommt und die vor fantastischen Momenten die zum Innehalten einladen nur so sprüht. Untermalt durch Musik von Amanda Palmer, Mogwai, Angus & Julia Stone usw. wird hier eine Teenager-Geschichte erzählt, die sich leichtfüßig zwischen grandiosen Film- und Serienperlen wie Brick, Veronica Mars, Buffy oder sogar, ja, ich sage es, True Detective (Staffel Eins!) bewegt! Man bewegt sich an den Abgründen der Seele entlang, erkundet intime Momente, dekonstruiert Vorurteile und verliert sich in den einzigartigen Dialogen voller liebenswerter wie abstoßender Charaktere. Unzählige Anspielungen auf Twighlight Zone, Twin Peaks und Zeitreisefilmen wie Looper, Primer usw. lassen das Spiel zu einem Nerdfest werden, die man aber nicht kennen muss, um hier auf seine Kosten zu kommen. Es spielt sich dabei wie ein wilder Cocktail aus dem grandiosen Gone Home, The Walking Dead und Heavy Rain. Ja, das gab es alles schon einmal, aber die Dichte der Atmosphäre, das gemütliche Erkunden und Abwägeln der oft sehr schwerwiegenden Entscheidungen sowie die Präsentation sprechen für sich und zeichnen ein homogenes, eigenständiges Spiel, das seit langem seinesgleichen sucht. Hier bekommt man für kleines Geld eine Geschichte, die einen noch für lange Zeit begleiten wird!

Ich kann nur jedem, der für Adventures, Krimigeschichten oder Videospiele allgemein etwas übrig hat, empfehlen, sich diese Perle näher anzuschauen. Eine Episode (Nummer 5) steht noch aus, dabei hat sich die Serie mit jedem Episodenende noch weiter gesteigert. Ich bekomme noch jetzt Gänsehaut, wenn ich an das Ende von Episode 3 und 4 denke! 


Sonntag, 28. Juni 2015

Die Vermessung der Seele

Häufig laufe ich durch die Straßen Jenas und fühle irgendwie nichts. Mir geht es nicht schlecht oder habe ein Problem, nein, ich wabere einfach nur abwesend durch diesen Fluss der einströmenden Eindrücke und reduziere diese durch die Abwesenheit meiner Aufmerksamkeit. Das ist normal und kennt wahrscheinlich jeder. Dabei begleitet mich diese Taubheit aber erst seit einer Weile fast ständig durch den arbeitsbedingten Alltag. Sie lässt die Welt unscharf werden, fließt undefiniert an mir vorbei und wird zu einem ereignislosen Brei, bis ich durch einen Rempler, einem Lächeln oder eine Geste irritiert werde. Diese Abwesenheit ist balsam für die Gedanken, kreisen diese doch unentwegt um ToDo-Listen, Arbeit, Termine, wichtige Menschen und alltägliche Aufgaben. Wenn man dann in sich blickt merkt man, dass man sich mal wieder taub und abwesend durch die Welt bewegt. Bin ich das, der da läuft? Ist das mein Charakter, mein „ich“? Dieser verkümmerte Haufen an Talenten und Fähigkeiten? Derjenige, der sich lieber in diesen Fluss der Bewusstlosigkeit hinein begibt?


Doch seit einigen Wochen hat sich das geändert. Es gibt da einen warmen Fleck in mir, der immer größer wird und sich nach und nach entfaltet, wie warmes Wasser das man in die Badewanne einlässt oder wie das Licht welches einströmt, wenn man nach und nach die Rollläden aufzieht. Es durchströmt mein Innerstes mit Glück und Euphorie, mit Zuversicht und Gelassenheit, mit Aufmerksamkeit und Lust zum Detail. Es versprüht wohlduftende Gerüche, feinsinnige Gedanken und richtet meine Aufmerksamkeit auf die Kleinigkeiten des Lebens. Vögel die sich gegenseitig jagen, grinsende Großmütter die über den Fußweg schlendern, kleine Käfer die sich mühsam ihren Weg durch die Wiese schlagen. Songtexte von Liedern, die ich schon tausend Mal gehört habe werden zu fantastischen Arien der Leidenschaft, die Songs verwandeln sich zu Trabanten meines Alltags. Mein ausgetrockneter Geist wird zunehmend revitalisiert und erblüht zu neuem Leben wie regenverhangenes Moos nach einer langen Dürreperiode. Bei all dieser Euphorie wurde mir etwas klar, das wohl die persönlich wichtigste Erkenntnis und das größte Glück darstellt:
Es verdeutlicht mir selbst, wer ich bin und was ich mag. Das ich all jene Details schätze und so sehr umarme, dass ich in der Lage bin, mein Herz für die Schönheit dieser Welt zu öffnen und mich ihrer hinzugeben. Ich merke, welche Werte mich ausmachen, welche Menschen mir etwas bedeuten und wie sehr ich für sie empfinden kann.
All das ist die Summe der Entscheidungen und der Ereignisse meines Lebens, die mich zu dem Punkt führen, an dem ich jetzt stehe. Diese durchflutende Wärme, die diesen manchmal abwesenden Geist und seine verstummten Fähigkeiten durchströmt macht mir bewusst, wie es in meinem Kopf und meinem Herzen aussieht und es bringt mich zum lächeln. Es erdet meine Träumerei im Hier und Jetzt und bejaht mein Selbst in all seinen Facetten.